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Kurze Preußisch-Deutsche Militärgeschichte zwischen 1640 und 1912


Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg (1620-88)



Friedrich I., König in Preußen (1657-1713)



Friedrich Wilhelm I., König in Preußen (1688-1740)



Friedrich II., König von Preußen (1712-86)



Friedrich Wilhelm II., König von Preußen (1744-97)



Friedrich Wilhelm III., König von Preußen (1770-1840)



Friedrich Wilhelm IV., König von Preußen (1795-1861)



Wilhelm I., König von Preußen und ab 1871 Deutscher Kaiser (1797-1888)



Friedrich III., König von Preußen und Deutscher Kaiser (1831-88)



Wilhelm II., König von Preußen und Deutscher Kaiser bis 1918 (1859-1941)



Quellen


1640 übernahm der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm von Brandenburg aus dem Haus Hohenzollern, ein verwahrlostes, über etwa 6500 Mann verfügendes, Heer aus Söldnern. Er entwickelte den abgerissenen „Räuberhaufen“ bis zu seinem Tod 1688 zu einem gut ausgerüsteten, stehenden preußischen Heer von 31000 Mann Stärke.

1701 krönte sich Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg als Friedrich I. in Preußen, nachdem das Herzogtum Preußen (Ostpreußen) im fernen Nordosten von Brandenburg, den Status eines Königreiches erhalten hatte. Während er das preußische Heer vorrangig an andere Staaten und den Kaiser verlieh, gab er große Summen für die prunkvolle Gestaltung seines Regierungssitzes aus, baute eine neue Verwaltung auf und bemühte sich um Fortschritte in Industrie, Handel und Landwirtschaft. Am Aufbau des Heeres hatte er wenig Interesse. 1712, im Jahr vor seinem Tod, hatte es eine Stärke von 36 000 Mann, nur 5000 Mann mehr, als bei seinem Machtantritt ein Vierteljahrhundert zuvor.

Brandenburg und Preußen um 1700

1713 übernahm sein Sohn Friedrich Wilhelm I. die Regierungsgeschäfte. Er baute Preußen zu einer unabhängigen Militärmacht aus, war reformfreudig in Wirtschafts-, Sozial-, Bildungs- sowie Finanzpolitik und gilt als eigentlicher Schöpfer der preußischen Armee. Allgemein wurde er als Soldatenkönig bezeichnet. Prunk war ihm zuwider. Er setzte auf spartanische Härte und disziplinierte Pflichterfüllung. Durch seine zahlreichen Sparmaßnahmen und die Schaffung eines umfassenden Staatsfinanzwesens, konnte er auch sein schlagfertiges, gut ausgebildetes Heer solide finanzieren. Zum Heer, dessen Stärke er auf 76 000 Mann mehr als verdoppelte, gehörte auch sein Königsregiment, die „Langen Kerls“. Die Männer dieses Regiments mussten mindestens 1,88 m groß sein, wurden in ganz Europa angeworben und waren die erste wirklich einheitlich gekleidete Truppe. Zunehmend wurden außer den Mannschaftsunterkünften nun auch Wohnhäuser für Soldaten und ihre Familien errichtet.

1740, nach dem Tod seines Vaters, übernahm Friedrich II. die Regentschaft, der als Friedrich der Große und der Alte Fritz in die Geschichte einging. Er bezeichnete sich selbst als ersten Diener des Staates. Im ersten Jahr seiner Regierungszeit marschierten preußische Truppen in Schlesien ein, dass damals zu Österreich gehörte. Die Schlesischen Kriege (1740-45), insbesondere der Siebenjährige Krieg (1756-63, auch dritter Schlesischer Krieg genannt), brachten ihm und Preußen europaweite Anerkennung und etablierten es als 5. europäische Großmacht. Friedrich II. entwickelte das Heer weiter. In den Jahren nach den verlustreichen Kriegen gelang es ihm seiner Armee die alte Stärke und Schlagkraft wiederzugeben. Weitere besondere Erfolge seiner Regierungszeit war die Abschaffung der Folter, Entwicklung des Allgemeinen preußischen Landrechtes und die Einführung der Kartoffel. 1772 entstand durch die eingegliederten polnischen Gebiete in den preußischen Staat eine Landverbindung zwischen Pommern und Ostpreußen. Nun gehörten alle preußischen Gebiete zum Hohenzollernstaat und Friedrich durfte sich fortan König von Preußen nennen.

1786 wurde Friedrich Wilhelm II. (Neffe von Friedrich II. und ebenfalls aus dem Haus Hohenzollern) neuer König von Preußen. Im Volksmund nannte man ihn „dicker Luderjahn“. Er machte sich einen Namen als notorischer Schürzenjäger, Lebemann und Anhänger des Okkultismus. Das Brandenburger Tor und weitere Prachtbauten wurden in seiner Amtszeit errichtet. Durch Teilungsverträge mit Russland und Österreich 1793 und 95 bekam Preußen größere Teile Polens zugesprochen, was seine Fläche um ein Drittel vergrößerte. Das Heer und die Festungen vernachlässigte Friedrich Wilhelm II.

1797 folgte Friedrich Wilhelm III. auf seinen verstorbenen Vater. Er galt als schüchtern, wortkarg und kulturell sehr engagiert. Besondere Aufmerksamkeit wurde eher seiner Frau Luise zuteil. Politisch bemühte sich Friedrich Wilhelm II. um Neutralität und versäumte es, ebenso wie sein Vater, das Heer auf den neuesten Stand zu bringen. Die Soldaten wurden schlecht bezahlt, mussten sich zum Auskommen oft Nebenbeschäftigungen suchen und desertierten nicht selten. Das 240 000 Mann starke Heer glänzte zwar beim Exerzieren, war aber nicht für den Kampf gerüstet. Die Artillerie wurde vernachlässigt und das Offizierskorps war vergreist. Preußen war in Europa isoliert. So hatten die napoleonischen Truppen 1806 leichtes Spiel. Der 70-jährige General Franz Kasimir von Kleist übergab die Festung Magdeburg gleich kampflos an Napoleons Truppen. Preußen verlor durch den Frieden von Tilsit seine Gebiete westlich der Elbe, auch Magdeburg, und die neu hinzu gekommenen polnischen Gebiete. Dem verbliebenen Preußen gestatte Napoleon nur eine Armee von 42 000 Mann.

Nun begann die Modernisierung des preußischen Heeres. Die allgemeine Wehrpflicht wurde eingeführt, die Prügelstrafe abgeschafft, ebenso das Vorrecht des Adels zur Besetzung von Offiziersstellen. Durch das von Scharnhorst eingeführte „Krümpersystem“ wurde es möglich die festgelegten Soldatenzahlen inoffiziell enorm zu erhöhen, da ständig neue Rekruten ausgebildet und anschließend wieder ins Zivilleben entlassen wurden, die im Bedarfsfall dann einsatzbereit waren. 1813, nach der französischen Niederlage in Russland, erklärte Preußen Frankreich den Krieg. 300 000 Mann (6% der gesamten Bevölkerung) standen dem preußischen Heer zur Verfügung. Die Napoleonischen Kriege (oder Befreiungskriege) fanden 1815 ihren Schlusspunkt mit der Verbannung Napoleons nach St. Helena und dem 2. Pariser Frieden. Preußen erhielt einen Teil seiner 1806 verlorenen Gebiete zurück und zusätzlich Teile von Vorpommern, Sachsen und Gebiete im Westen. Besonders in den dazugewonnenen Gebieten entstanden mächtige Festungen nach neupreußischer Befestigungsmanier. Zunehmend wurden auch Kasernen zur Unterbringung der Soldaten errichtet.

Preußen (blau) um 1815

1840 folgte Friedrich Wilhelm IV., ältester Sohn von Friedrich Wilhelm III., seinem verstorbenen Vater auf den Thron. Die Uniformen wurden modernisiert, Stiefel und Pickelhauben eingeführt und weitere Kasernen gebaut, die jedoch durch die permanente Vergrößerung des Heeres weiterhin nicht ausreichten. Die Märzrevolution 1848 wurde niedergeschlagen, zwang Friedrich Wilhelm IV. aber zum Aufheben der preußischen Pressezensur. Zu wirklich demokratischen Reformen im Staat Preußen kam es nicht. In den unruhigen Zeiten wurde in das Heer investiert. Generalmajor Encke initiierte eine Vereinfachung des Exerzierreglements in den 1850-er Jahren. 1859 wurden Feldtelegrafen-Abteilungen eingerichtet. 1860 war eine umfangreiche Vergrößerung und Neuordnung der preußischen Armee abgeschlossen.

1858 hatte Friedrich Wilhelm IV. nach mehreren Schlaganfällen die Regierungsgeschäfte an seinen Bruder übergeben. Nach seinem Tod 1861 wurde dieser nun als Wilhelm I. König von Preußen. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 (erster deutscher Einigungskrieg) erhielt Preußen das Herzogtum Sachsen-Lauenburg und das Herzogtum Schleswig, Holstein fiel an Österreich. 1866 besetzte Preußen Holstein. Dies wurde der formale Grund für den Deutschen Krieg. In diesem zweiten deutschen Einigungskrieg kämpften 1866 Preußen und Österreich um die Führungsrolle im Deutschen Bund. Der Sieg Preußens und seiner Verbündeten führte zur Auflösung des Deutschen Bundes. Preußen übernahm die politische Vormachtstellung unter den deutschen Ländern und gründete den Norddeutschen Bund, die sogenannte kleindeutsche Lösung, ohne die Deutschösterreicher, Liechtensteiner und Luxemburger, deren Staaten Mitglieder des Deutschen Bundes gewesen waren, und ohne die Deutschschweizer. Preußen annektierte Holstein und aus allen drei Gebieten entstand 1867 die preußische Provinz Schleswig-Holstein.

1870 erklärte der französische Kaiser Napoleon III. Preußen den Krieg, der zum dritten deutschen Einigungskrieg werden sollte. Die Süddeutschen Fürsten, die nicht zum Norddeutschen Bund gehörten, befahlen ebenfalls die Mobilmachung. Am 1. März 1871 standen auf französischem Boden 464 221 Mann Infanterie, 55 562 Reiter und 1674 Geschütze an Feldtruppen sowie 105 072 Mann Infanterie, 5681 Reiter und 68 Geschütze an Besatzungstruppen. Insgesamt wurden auf deutscher Seite im Kriegsverlauf etwa 1,4 Millionen Mann mobilisiert, von denen 1,1 Millionen in Frankreich zum Einsatz kamen. Der Aufmarsch traf die französische Armee zum Teil unvorbereitet. Die deutschen Truppen wurden bereits in ihren Garnisonen auf volle Stärke gebracht und dann geschlossen mit aller Ausrüstung, großenteils über das sehr gut ausgebaute deutsche Schienennetz, in den Aufmarschraum verlegt. Nach dem erfolgreichen Kriegsverlauf konnte Bismarck die süddeutschen Staaten zum Eintritt in den Norddeutschen Bund bewegen. Der Bundespräsident, der König von Preußen, nahm den Titel Deutscher Kaiser an, und der Norddeutsche Bund, nach dem Beitritt der süddeutschen Staaten kurzzeitig auch Deutscher Bund genannt, vergrößerte sich zum Deutschen Reich, zu dem nun auch französische Gebiete in Elsaß-Lothringen gehörten. Das beflügelte französische Revanchegelüste und zementierte die sogenannte Erbfeindschaft.

Deutsches Reich mit Preußen (blau) 1871

In den darauf folgenden Friedensjahren trugen hohe französische Reparationen und die Arbeit von Kriegsgefangenen zum wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland bei. Es entstand erstmals eine einheitlich ausgerüstete und uniformierte deutsche Armee. Im gesamten Deutschen Kaiserreich wurden neue Befestigungswerke und Kasernen errichtet. Das Militär erlangte hohes Ansehen in allen Bevölkerungsschichten. 1878 wurden zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. verübt. Er erholte sich wieder und starb erst 1888 mit fast 91 Jahren. Zwischen 1867 und 1918 wurden im deutschsprachigen Raum mehr als 1000 Kaiser-Wilhelm-Denkmäler errichtet.

Im gleichen Jahr, dem sogenannten Dreikaiserjahr, folgte ihm erst sein schwerkranker Sohn Friedrich III. und bereits 99 Tage später sein Enkel Wilhelm II. Auf den Thron. Der war bestrebt das Deutsche Reich als wichtige Größe unter den Weltmächten zu etablieren. Er trieb die militärische Aufrüstung voran und die forcierte die Kolonialpolitik in Afrika und der Südsee. Seine Vorliebe für das Militär übertrug sich auf die Gesellschaft, wie niemals zuvor. Besonders die Kaiserliche Marine wurde nun in großem Umfang aufgerüstet. Die öffentliche Meinung gewann in der Wilhelminischen Zeit durch weit verbreitete Druckerzeugnisse an Gewicht. Die Regierung suchte mit imperialistischer Weltpolitik und dem populären Flottenausbau auch nach Rückhalt in der Bevölkerung. Wilhelms außenpolitische Ungeschicklichkeiten führten das Deutsche Kaiserreich in die Isolation.

Nachtrag:

Der erste Weltkrieg führte mit der Abdankung Kaiser Wilhelms II. zum Ende des Deutschen Kaiserreichs und des Preußischen Königtums. Preußen wurde zum eigenständigen Freistaat innerhalb des Reichsverbands proklamiert und erhielt 1920 eine demokratische Verfassung. 1932 setzte Reichskanzler Franz von Papen die preußische Landesregierung ab, weil bei Wahlen keine regierungsfähige Mehrheit entstanden war, und übernahm selbst die Macht im Freistaat Preußen, ein Baustein zu Hitlers späterer Machtergreifung. Der letzte preußische König und Deutsche Kaiser lebte bis zu seinem Tod 1941 im Exil, im niederländischen Doorn.