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Die Zitadelle

Die Zitadelle war ein wichtiger Bestandteil des Festungsgürtels und Inbegriff der Stärke der Festung Magdeburg. 1680-1702 errichtet, oblag ihr die militärische Sicherung des Elbüberganges. Zwei mit Zugbrücken versehene Tore, Stadttor (1) und Wassertor (2) sowie ein weiterer kleiner Ausgang, das Ziegeltor (3) führten ins Freie. Der Auftraggeber Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg erlebte die Vollendung der Anlage nicht mehr, da er bereits 1688 verstarb. Sein Erlass zum Bau der Zitadelle vom Juni 1666 gilt als Geburtsurkunde der Festung Magdeburg.







Die Verteidigungsstrategie sah vor, mit der Zitadelle das Kernland Brandenburg (besonders die Elbübergänge) bei Angriffen zu schützen. Der Zitadellengrundriss wurde im Sommer 1679 durch Generalleutnant „de Maestre“ aufgezeichnet und im Februar 1680 wurden die ersten Pfähle ins Gelände geschlagen. Die Magdeburger Bürger sahen in den Arbeiten weniger Schutz als Unterdrückung und leisteten Widerstand, auch weil Holzlagerplätze und ein wichtiger Ziegelhof dem Bauvorhaben weichen mussten, die zur Bereitstellung von Baumaterial für die vielen zugewanderten Hugenotten als unverzichtbar galten. Alle Versuche den Kurfürsten umzustimmen blieben jedoch erfolglos. Die Stadt erhielt für ihre Verluste eine Abfindung und 1683 begannen die, überwiegend vom Militär ausgeführten, Arbeiten unter Leitung des Ing.-Hauptmanns Schmutzer. Die Zitadelle erhielt den Grundriss eines ovalen bastionierten Fünfecks. Die fünf Bastionen, König (4), Königin (5), Kronprinzessin (6), Kronprinz (7) und Markgraf (8) waren durch Kurtinen verbunden. Die stadtseitigen Mauern überragten die hochwasserfreie Uferstraße um acht Meter. Die mehrere Meter starken Mauern wurden mit Ziegelsteinen verkleidet und oben mit vorstehenden Kordonsteinen abgedeckt, um ein Ersteigen zu erschweren. Die Zitadelle war mit einer durchlaufenden Brustwehr mit Wallgang umschlossen, auf den vom Hof aus Rampen führten und außerdem von einem Graben umgeben. Mit Ausnahme der niedrigen Mauer an der Mittelelbe und der spitzen Bastionen lagen hinter den Umfassungsmauern erdbedeckte Kasematten. Auf dem Zitadellengelände befanden sich verschiedene Magazine, unter anderem ein Mehlmagazin, außerdem ein Gewehrhaus, die Verwaltung, die Festungsbäckerei und die Torpassage zwischen dem Stadttor (1, siehe Tore) und dem Wassertor (2, siehe Tore). 1702 waren die Bauarbeiten im Wesentlichen abgeschlossen und 1706 auch die Kasematten bewohnbar.






Die Zitadelle von Osten aus Richtung Turmschanze mit der alten „langen Brücke“ (erbaut 1666, abgerissen 1882)


Bastion „Kronprinz“ (die Spitze ist teilweise erhalten) mit der „Zollbrücke“ (erbaut 1881, heute noch in Betrieb)



1729 wurde in einer Kasematte eine katholische Kirche errichtet. Die Mauern der Zitadelle reichten, außer auf der Südseite, nah ans Ufer heran und waren somit sturmfrei. Nur vor der Südkurtine wurden deshalb zusätzlich ein Ravellin mit zwei Facen, ein Graben und ein tenaillierter Weg zur Deckung angelegt.

Um zu gewährleisten, dass die Elbe ihr Flussbett nicht immer wieder veränderte und die Zitadelle zu jeder Jahreszeit mit ausreichend viel Wasser umgeben war, wurde zusätzlich zum bereits bestehenden Überlauf in Prester (leitete das Wasser so in die „kleine Elbe“ um, dass sie sich dadurch zur jetzigen „Stromelbe“ entwickelte) 1739 ein Wehr zwischen Kommandanten- und Holzstreckenwerder errichtet. Dadurch verband sich der, direkt an der Zitadelle vorbeilaufende, Nordabschnitt der damaligen großen „Mittelelbe“ mit der „Stromelbe“. Durch den späteren Bau des Turmschanzenkanals verwandelte sich der Turmschanzensee wieder in einen Elbarm, die heutige „alte Elbe“. 1745/46 wurde südlich der Zitadelle ein Stichkanal mit Schleuse angelegt zur Umschiffung der veralteten Brücke zur Altstadt (lag etwa in Höhe der jetzigen Zufahrt zum Parkhaus Alleecenter). Durch die schnell fortschreitende Verlandung des Areals zwischen den Elbarmen zum Gebilde des jetzigen Stadtparks erfüllte der neue Schleusenkanal jedoch kaum seinen Zweck, blieb aus Verteidigungsgründen aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erhalten.

Während des siebenjährigen Krieges (1756–1763, in Preußen auch als dritter Schlesischer Krieg bezeichnet) brachte sich nicht nur die königliche Familie nebst Hofstaat hinter den Magdeburger Festungsmauern in Sicherheit. Die Zitadelle, als „sicherster Ort der Monarchie“ beherbergte die königliche „Schatztruhe“, Edelmetalle, Juwelen und Wertgegenstände aller Art. Dafür war nicht nur entscheidend, dass die Stadt wegen ihrer starken Befestigung von Angreifern gemieden wurde, sondern auch die Wiedereinrichtung einer „Münzstätte“ 1752, die nun das königliche „Tafelsilber“ zu Geld verarbeiten konnte.

Ihren letzten Umbau erfuhr die Zitadelle etwa 1860-70. Unter anderem wurde im Zuge des Baues einer neuen Strombrücke (Höhe Johannisbergstraße) die Bastion Kronprinzessin“ teilweise zurückgebaut und abgerundet. Dadurch konnte eine, dem Verkehrsaufkommen gerecht werdende, Straßenführung realisiert werden, nördlich an der Zitadelle vorbei.

Nebenbei diente die Zitadelle stets auch als Gefängnis. Im Gefangenenhaus, das südlich neben dem noch erhaltenen Artilleriedepot stand, saßen berühmte Gefangene wie Werner von Siemens (siehe Gefangene) und der spätere erste Präsident Polens Josef Klemens Pilsudski (siehe Gefangene). Ab 1890 wurde die Zitadelle militärisch bedeutungslos. Bis zu ihrem Abriss 1927 beherbergte sie z.B. Kriegsgefangene im 1. Weltkrieg, Notwohnungen und allerlei Kleingewerbe, bevor sie gegen den Widerstand vieler Bürger abgerissen wurde. Heute ist außer dem ehemaligen Artilleriedepot nur noch die Ecke der einstigen Bastion Kronprinz“ von der imposanten Anlage erhalten.






Blick von der Johanniskirche, links die damals „neue“ Brücke und die abgerundete „Ecke“ der Bastion „Kronprinzessin“, in der Mitte das Artilleriedepot.


ein ähnlicher Blick, mit der jetzigen Strombrücke, einziger Orientierungspunkt ist das ehemalige Artilleriedepot




Quellen

Das Artilleriedepot der Zitadelle, einziges erhaltenes Bauwerk der Festungsanlage.

Rest der Spitze der Bastion „Kronprinz“, im Hintergrund das Artilleriedepot.