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Die Bastion „Gebhardt“, später „Cleve“

Im Jahre 2010 fand die Freilegung einer imposanten Verteidigungsanlage hinter dem Dom ihren Abschluss. Mit der Gestaltung der freigelegten Gemäuer wurde unsere Stadt um eine echte Attraktion bereichert. Historisch betrachtet trifft die offiziell verwendete Bezeichnung Bastion „Cleve“ für die freigelegten Anlagen nur bedingt zu, da es sich hierbei um die Reste der Vorgängeranlage handelt, der Bastion und des Rondells „Gebhardt“.








1305/06 trennten die Altstädter die Domfreiheit von der Sudenburg. Die gesamte Südfront der Stadt war noch immer nicht gesichert. Im Wege stehende Bauten und Anlagen des Domkapitels wurden beseitigt.

Ein schlichter geradliniger Graben wurde von West nach Ost zur Elbe hin ausgehoben. Der Erdaushub diente als einfacher Erdwall und wurde mit hölzernen Palisadenwänden befestigt. Simple Tordurchlässe kennzeichneten fortan die Stellen des Sudenburger Tores am Breiten Weg und der Herrenpforte am Dom Nr. 7, südlich des Konsistoriums. Von dieser ersten Südbefestigung ist nichts erhalten geblieben.


1365 wurde die Palisadenanlage durch eine steinerne Streitmauer mit hölzernem Wehrgang und steinernen Torbauten ersetzt, aus Angst vor Hussitenüberfällen.

Am neuen Eckpunkt errichtete man südlich des „Tatarenturmes“ einen zusätzlichen Wehrturm, jener Turm, dessen Reste in der heutigen Anlage freigelegt und erneuert wurden. Auch die Herrenpforte erhielt einen Torturm. Der Graben südlich vor der Streitmauer wurde verbreitert und als Entwässerungsgraben genutzt. Der Weg in Richtung Prälatenberg, Sudenburg oder Kloster Berge führte über eine Klappbrücke, die den Stadtgraben hier überspannte.


1461 wird der „Wipturm“ an der Elbe erwähnt, entstanden an Stelle eines hölzernen Brückenkopfes. Die Brücke im Zuge des Domfelsens hatte die alte Domfurt abgelöst und ist während einer Prozession Ende des 15. Jahrhunderts eingestürzt. Der Name des steinernen Rundturmes bezieht sich auf den dort installierten Wippkran, mit dem man Frachtschiffe am Elbhafen entlud. Zudem war der Turm auch zur Verteidigung der Südostecke ausgebaut. Zusätzlich entstanden an der Elbe noch mehrere eckige Wehrtürme mit gebrochenen östlichen Kanten. Der bekannteste davon ist der „Kiek in de Köken“ (Blick in die erzbischöfliche Küche).

Zwischen 1525 und 1536 entstand dort die Stadtmauer an der Elbe, hinter dem Wipturm, von Nord nach Süd gerichtet. An der neuen Südostecke entstand das doppeletagige Rondell „Gebhardt“, verbunden mit einer Eskarpenmauer bis zur Stützmauer am Eckwehrturm. Im Innern des Rondells befanden sich geräumige Gewölbe mit kleinen Geschützen. Durch Schießscharten konnte man von hier aus das Ostufer der Elbe bestreichen oder auch das Westufer nach Süden hin. Eine Geschützscharte ist vom Rondell noch erhalten und heute wieder freigelegt.








1546 entstand ein neuer und breiterer Stadtgraben in vorgeschobener Position. Die alte freistehende Streitmauer mit hohen Wehr- und Tortürmen blieb bestehen. Südlich davor wurde der Erdaushub zu einem Hauptwall mit Niederwall aufgeschüttet und die äußeren Mauern wurden zur Eskarpe. Die gegenüberliegende südliche Mauer wurde zur Kontreskarpe.

Zwischen Sudenburger Tor und Herrenpforte entstand ein großes Bollwerk, dessen Reste in den 1980er Jahren bei der Errichtung von Gebäuden an der Danzstraße zum Vorschein kamen.

Westlich des Sudenburger Tores setzte man einen halbrunden Grabenturm in den Stadtgraben. Das Tor erhielt eine äußere Toranlage mit breitem Torhaus und Portal im Spätrenaissancestil mit Wappenstein. Da die Torpassagen des Sudenburger Tores und der Herrenpforte nun durch den neuen Hauptwall führten, mussten sie überwölbt werden. Der Torgang war sehr eng und düster und wurde deshalb Düstere Pforte“ genannt.

Den östlichsten Wehrturm der Südfront sicherte man ebenfalls mit einem großen Bollwerk. Diese Anlage war das östliche Flankenbollwerk des Hauptwallabschlusses am sogenannten Cleveturm. Die sichtbaren Bollwerkreste reichen an deren Ostseite bis in den alten Grabenbereich hinab, der aber nicht das Elbniveau hatte. Hinter dem unteren Schießschartenkranz befindet sich ein geräumiger gewölbter Gang für kleinere Geschütze, der heute noch vom Turmrest aus begehbar ist. Im Zuge der Belagerung Magdeburgs 1550/51 wurde an der Südwestecke der Stadtbefestigung noch das große fünfeckige Bollwerk Heydeck“ errichtet.


1625 war Wallenstein in das Erzstift vorgerückt. Die Stadt hatte ihm 1626 die Aufnahme einer kaiserlichen Garnison verweigert und trotzte dem Restitutionsedikt, so dass es im weiteren Verlauf zu einer Blockade und schließlich während der Belagerung 1631 durch Tilly zur Eroberung und zur Brandkatastrophe kam. Im Zuge der sich anbahnenden Auseinandersetzungen sicherten die Magdeburger ihre Festungswerke durch zusätzliche Ravelins, Kron- und Hornwerke sowie Schanzen.

Zwischen der Bastion „Heydeck“ und der Herrenpforte entstand ein großes Ravelin mit äußeren Erdwällen und eigenem Graben. Südlich des Bollwerks und Rondells „Gebhardt“ entstand das neue südliche Werk Großer Gebhardt“, mit dem Grundriss eines Trapezes. Hier wurde der Graben, zwischen den Erdwällen des neuen Werkes gelegen, verfüllt und zu einem großen Waffenplatz umgestaltet. Der neue breite Stadtgraben zog sich jetzt um den Großen Gebhardt“ herum.

Das alte Bollwerk „Gebhardt“ von 1546 am alten Wehrturm ragte nur noch mit den oberen Schießscharten über den Waffenplatz des neuen Werkes hervor und hatte bereits seine eigentliche Bestimmung weitgehend eingebüßt. Lediglich das Rondell „Gebhardt“ deckte die Ostflanke des neuen Werkes an der Elbe, da es weit in den Fluss ragte. Vor der alten Eskarpe des Niederwalles westlich des Rondells bis zum Bollwerk „Gebhardt“ errichtete man eine neue Eskarpe vom südlichen Scheitelpunkt des Rondells diagonal zum Turm bei der Domklausur. Das Rondell ist mit der Anlegung der Elbuferstraße weitgehend beseitigt worden. Somit ist die freigelegte Geschützscharte die einzige noch erhalten gebliebene.



1700 bis 1713 errichtete man im Zuge des Ausbaues Magdeburgs zur stärksten preußischen Festung zunächst einen neuen Bastionsring um die alte Stadtbefestigung aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. So entstand die neue Bastion „Cleve“ und der Große Gebhardt“ wurde beseitigt.

Das schiefwinklige neue Festungswerk wurde durch ein defensives Hornwerk im Innern untergliedert. Vor dem Rondell „Gebhardt“, nun auch Cleve“ genannt, errichtete man noch ein flaches kleines Ravelin zur Sicherung des Elbzuganges. Auch bei dieser neuen Anlage war die Mauer des alten verkröpften Flankenbollwerkes „Gebhardt“ südlich des Wehrturmes nicht im Wege. Deshalb blieb es untergeordnet erhalten und die untere Schützenkasematte erhielt in der runden Mauerführung einen neuen südlichen Ausgang, als Zugang zur neuen Bastion „Cleve“. Diese bauliche Veränderung im Scheitel des alten Bollwerks ist heute wieder freigelegt.

Die alte Poterne, welche vom Vogteigarten aus einst in den Stadtgraben führte, hatte nun ebenfalls nur noch eine untergeordnete Funktion, zur Munitionseinlagerung. Die Kasematte selbst diente schon lange nicht mehr der Verteidigung und auf dem Hof der Flankenbastion wurden keine Geschütze mehr aufgestellt. Alle weiteren Festungswerke nach 1713 wurden hier nur geringfügig verändert, weshalb das alte Bollwerk Bastion „Gebhardt“ weitgehend erhalten blieb. Es wurde nur mit Erde verfüllt und nach oben mit einer Erdwallabdeckung versehen.











Die FG Festungsanlagen bietet Führungen durch die verschlossenen Gewölbe an.

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Quellen

Im Innern des Rondells befanden sich geräumige Gewölbe mit kleinen Geschützen. Durch Schießscharten konnte man von hier aus das Ostufer der Elbe bestreichen oder auch das Westufer nach Süden hin. Eine Geschützscharte ist vom Rondell noch erhalten und heute wieder freigelegt.

Parallel zur Verbindungsmauer zwischen Rondell und Wehrturm an der Domklausur errichtete man vom alten Tatarenturm“ aus nach Osten führend eine zweite Mauer im Vogteigarten mit einem Tor des Förders, welches auch heute noch im Innern der späteren Poterne erhalten geblieben ist. Damit versperrte man nun den Domherren den freien Weg nach Sudenburg. Auch in der Eskarpenmauer befand sich ein Torbogen, welcher ebenfalls noch in der Poterne erhalten ist. Die innere Mauer im Vogteigarten bog nach Norden ab und verband sich mit dem Wehrturm „Hinter der Ausfahrt der Möllenvogtei“, Fürstenwall 3b. Nördlich dieses Turmes hatte man einen Wallgang mit innerer Böschung hinter der Elbstadtmauer errichtet und dazu eine weitere freistehende Mauer parallel zur Elbmauer, die Zwingermauer.


Um den Höhenunterschied vom Domgebiet zum späteren „Fürstenwall“ auszugleichen und um eine Verbindung zu schaffen, wurde der Zwischenraum mit Erde aufgefüllt. Dazu musste man den Förder überwölben. So entstand die noch heute erhaltene Poterne. Gleichzeitig musste der Zugang zum Rondell mit Rondengang im Untergeschoß unter dem neuen Wallabschnitt überwölbt werden. Auch hier befand sich eine Poterne, die in das Rondell führte. Einen so genannten Niederwall „Faussebraie“ setzte man noch vor die bereits bestehende Eskarpe mit einem neuen Poternenausgang zum Stadtgraben hin. Somit verlängerte man die Poterne nach Süden. Heute erkennt man diesen Abschnitt innerhalb der Poterne an einem geringen Richtungswechsel des Ganges.

Oberirdisch ist der Niederwall als Waffenplatz ausgebildet. Von hier aus gelangte man auch in den alten Wehrturm an der Domklausur (freigelegter Turmrest, dessen Zugang sich in der Ostwand befindet). Auch der Niederwall ist an dieser Stelle großzügig freigelegt worden. Die Poterne führte unter dem Wall in den Stadtgraben. Der heutige Zugang zur Poterne, vom Vogteigarten aus, wurde erst 1890 angelegt.